28. März 2016


Religion und Ethik

Der reichste Ort der Welt…

Der reichste Ort der Welt ist nicht Fort Knox oder ein arabischer Emirat, der reichste Ort der Welt ist ein ganz normaler Friedhof. Friedhöfe sind reich an Geschichten, Triumphe, Niederlagen, ungenutzten Talenten und unerfüllten Wünschen. Ein Friedhof ist aber auch wie der Name schon sagt ein Ort des Friedens, an welchem totkranke und alte Menschen ihren kraftlosen, irdischen Körper zurücklassen dürfen. Er ist auch eine Stätte der Zuflucht und des Trostes, für alle Angehörigen die ein geliebtes Kind, einen Verwandten oder guten Freund unerwartet verloren haben. Und nicht zuletzt ein Ort um Frieden zu schließen mit anderen und auch mit sich selbst. Der kleine Friedhof um die St. Severinskirche ist einer der ältesten im deutschen Kulturraum und damit auch ein Beleg für die jahrhundertealte, christliche Bestattungstradition. Die ältesten Grabsteine auf dem Severinsfriedhof sind 800 Jahre alt, allerdings gibt es in der Kirche unter der Empore einen römischen Grabstein für den Zöllner Faustianus aus dem 3. Jahrhundert. Der Severinsfriedhof ist heute mit zwei anderen Friedhöfen ein Teil des großen Passauer Innstadtfriedhofs, wie Stadtheimatpfleger Richard Schaffner erklärt. Der Hochfriedhof ist heutzutage nicht nur eine Ruhestätte sondern gehört aufgrund seiner exponierten Lage, und den dort beerdigten Persönlichkeiten, zu den besonderen Sehenswürdigkeiten in Passau. Ein weiterer Bereich am westlichen Ende des Innstadtfriedhofs ist der so genannte Heldenfriedhof, der den Passauer Bürgern als Kriegsgräberstätte dient. Als Stadtheimatpfleger kennt Richard Schaffner viele Details und Fragmente der historischen Dreiflüssestadt. Gerade deshalb haben Friedhöfe für ihn eine ganz besondere und essentielle Bedeutung. In der Vielfalt der unterschiedlichen Grabstätten spiegeln sich so wie im Leben selbst, die verschiedenen Facetten des menschlichen Daseins wider. Von herrschaftlichen Gruften, über konventionelle Gräber bis zu den ganz formlosen und bescheidenen Ruhestätten ist am Passauer Innstadtfriedhof alles vorhanden. Doch ganz gleich für welche Bestattung man sich entscheidet und ob man sich bereits zu Lebzeiten mit dem unausweichlichen Ende auseinandersetzt oder nicht – die Botschaft ist immer dieselbe: Was aus Staub geworden ist wird auch wieder so enden. Doch dass der Mensch mehr ist als sein irdischer Körper das bezeugt jedes Jahr im Frühling das Osterfest der Christen und das Zitat des heiligen Aurelius Augustinus: „Auferstehung ist unser Glaube, Wiedersehen unsere Hoffnung, Gedenken unsere Liebe.“



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