3. Juni 2016


Katastrophen und Unfall

Extreme Zerstörung nach Flutkatastrophe

Das Unglück begann am führen Mittwochvormittag. In Tann, Triftern und Simbach und in mehreren kleineren Weilern im Landkreis Rottal-Inn brach eine wahre Sindflut über das Land herein. Dort füllten sich die kleinen Bäche und Rinnsale so rasend schnell auf, dass die meisten Menschen und die Einsatzkräfte von den heranstürmenden Fluten überrascht wurden.

„Wir haben es mitgekriegt, als das Wasser schon bei uns hinten in den Hof reingeschossen ist. Und dann habe ich mit einem Bekannten noch schnell das Auto weggefahren und dann war’s vorbei, dann konnten wir nicht mehr rein. Und dann sind uns halt die Autos und Möbel und alles schon entgegen gekommen.“ (O-Ton Betroffene)
„Ich wollte meine Tochter warnen, dass sie ihren Roller wegfährt und dann ist aber das Wasser schon so hoch gewesen, dann bin ich nicht mehr zurück gekommen über die Straße. Und dann habe ich mich zwei Stunden am Geländer festgehalten vom Army Shop bis mich dann ein österreichisches Boot – jetzt sage ich nicht gerettet – geborgen hat, sagen wir so. Ich hätte mich eh nicht mehr länger halten können, weil ich schon bis hier im Wasser war.“ (O-Ton Betroffener)
Das Ausmaß der Katastrophe wurde erst einen Tag danach so richtig sichtbar. Selbst nicht Betroffene waren erschüttert.

„Man macht sich auch Sorgen um die Bekannten und um die Angehörigen, die es viel schlimmer erwischt hat. Das ist das…“ „Wir sind froh, dass wir alle wohl auf sind und dass es bloß materieller Schaden ist.“ „Ein Dreck… Und Dreck kann man weg machen!“ (O-Ton Betroffene)
„Ganz schlecht wenn man das sieht, dass die halbe Stadt, wie alles den Bach runter geht, kann man fast wörtlich so sagen.“ (O-Ton Betroffene)
Betroffen war vor allem das Zentrum von Simbach in dem viele Geschäfte, Gaststätten und Cafes angesiedelt sind. Manche der Geschäfteleute fürchten um ihre Existenz.

„Alles kaputt… alles kaputt…“ (O-Ton Betroffener)
„Alles… Das Auto ist in der Garage abgesoffen… Und wie es weitergeht, weiß ich noch nicht! Uns persönlich, wir sind davon gekommen, mir und meiner Frau ist nichts passiert.“ (O-Ton Betroffener)
Die Einsatzkräfte der Feuerwehren sind im gesamten Stadtgebiet mit ihren Kräften im Einsatz. Zu Hilfe eilten auch Feuerwehreinsatzkräfte aus ganz Süd- und Ostbayern.
„Das ganze Stadtgebiet ist in Enisatzgebiete eingeteilt, dementsprechend werden die Hilfskräfte verteilt. Die überörtliche Hilfe ist angelaufen und es ist eine sehr große Mannschaftsstärke zur Zeit.“ (O-Ton Michael Jetzlsperger, FW Simbach am Inn)

Noch immer sind Straßen, Häuser und Gebäude vom Wasser eingeschlossen und nur mit dem Boot erreichbar. In einigen Stadtvierteln steht das Wasser noch bis zu einem Meter hoch.
„Nach wie vor haben wir noch Teile dabei, wo wir Personenrettung machen müssen, sprich die Gartenstraße, Teile der Innstraße. Wo wir nur noch mit Booten passieren können, ist Priorität Nummer Eins die Personenrettung. Und der andere Teil wird bereits versucht, die Gebäude zu räumen, die Gebäude auf Stabilität zu untersuchen und so wird weiterhin vorgegangen.“ (O-Ton Michael Jetzlsperger, FW Simbach am Inn)

Vier Personen wurden in Simbach tot geborgen. Weiter Personen werden auch einen Tag nach der Flutkatastrophe noch immer vermisst.
„Die Zahl der Vermissten schwankt natürlich ständig, weil immer wieder Leute anrufen, die Angehörige versuchen und nicht finden. Und da ist alles im Fluss. Fakt ist, dass momentan noch Rettungsmaßnahmen in Simbach-Bereich laufen. Da schaut die Feuerwehr und die Wasserwacht, dass sie zu den Häusern vordringen können, die bislang noch nicht erreicht worden sind.“ (O-Ton Armin Angloher, Sprecher Polizeipräsidium Niederbayern)

Die Polizei partrolliert Tag und Nacht in den Straßen von Simbach. Es gab bereits den Versucht von Plünderung.
„Heute Früh wurden von der Bundespolizei um 5 Uhr zwei Männer im Alter von 22 und 23 Jahren festgenommen. Die waren alkoholisiert und haben sich an einem Auto zu schaffen gemacht und wollten da offensichtlich den Radio ausbauen.“ (O-Ton Armin Angloher, Sprecher Polizeipräsidium Niederbayern)

Mehrere Stadtviertel von Simbach sind so sehr von den Wassermassen betroffen, dass sich die Bewohner nur von weitem ein Bild von der Zerstörung ihres Hauses machen können.
„Sie sehen es eh, wir haben dort hinten eine Verkaufshalle, da ist alles kaputt. Und im Laden ist alles kaputt. In dieser Jugendstil-Villa ist quasi das erste Stockwerk demoliert, bzw. das Erdgeschoss.“ (O-Ton Betroffener)
Jetzt heißt es aufräumen und vor allem den Schlamm, den Müll und das Wasser aus den Straßen und Häusern der Stadt hinaus zu bringen.
„Wir schauen jetzt, dass wir die restlichen Bereiche noch frei pumpen, dass da das Wasser raus kommt. Dann wird der Damm noch gesichert vom Simbach, dass da bei einem erneuten Hochwasser nicht wieder das Wasser heraus kommt.“ (O-Ton Manfred Deser, Kreisbrandmeister FW Rottal-Inn)
„Wir müssen schauen, dass das Wasser weg kommt. Und nach dem Wasser Wegräumen werden wir entsprechend sukzessive vorgehen und mal mit Aufräumarbeiten beginnen.“ (O-Ton Siegfried Huber, Abschnittsleiter West FW Simbach am Inn)

Zwar stieg der Simbach, so heißt der kleine Bach der das Unheil anrichtete schon öfter über die Ufer. Immer aber blieben die Schäden begrenzt. Diese Mal war alles anders.
„Dieses Ausmaß, das wir heute haben, das haben wir noch nie gesehen. Das hat noch niemand erlebt da!“ (O-Ton Helfer)
Betroffen vom Hochwasser waren auch weite Gebiete im Landkreis Passau. Bereits am Mittwochmorgen stürzten sich Flutwellen von kleinen Bächen und Rinnsalen durch mehre Orte.
„Das ist das Wasser, das sich auf den Feldern sammelt. Das kommt dann alles konzentriert über die Straße rein. Und das lässt dann seine Rückstände auf der Straße zurück.“ (O-Ton Markus Rothofer, FW Engertsham)

Besonders betroffen waren die Gemeinden Bad Griesbach, Ruhstorf und Fürstenzell.
„Ja es ist gestern den ganzen Tag eigentlich mit Unwettern losgegangen, und zwar im Bereich Egglsee, Egolfing. Bereits in der Nacht, also vorgestern Nacht sind um zwei Uhr die Feuerwehren alarmiert worden. Und erhebliche Überschwemmungen durch anschwellende kleine Bäche, Überflutungen.“ (O-Ton Josef Jakob, 1. Bürgermeister Marktgemeinde Ruhstorf/Rott)

Dreißig Stunden und mehr waren die Feuerwehrkräfte in den betroffenen Orten im Einsatz. Der Pegelstand der Rott stieg gefährlich an.
„Im Moment ist er Gott sei Dank stark fallend. Jetzt um 8 Uhr haben wir 3,36 Meter gehabt. Das heißt also seit dem Höchststand von 3,62 Meter auf 3,36 Meter kann man schon einen Pegelstand-Rückgang feststellen.“ (O-Ton Achim Bangerl, FW Ruhstorf/ Rott)
Normalstand des Pegels sind 50 bis 70 Zentimeter. Noch ist kein Ende in Sicht. Nun hoffen alle, dass sich das Wetter beruhigt und nicht noch einmal so verheerende Auswirkungen mit sich bringt als dies in diese Woche der Fall war.



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