15. Juni 2016


Umwelt und Natur

Nehmen Unwetter zu?

Plötzliche Gewitter und anhaltender Dauerregen – in den letzten Wochen häuften sich die Meldungen über starke Unwetter in ganz Deutschland. Die andauernden Regenfälle, die kleine Bäche in reißende Wassermassen verwandelten, sind aus meteorologischer Sicht leicht zu erklären.
„Das liegt daran, dass die Luftströmung sehr schwach ist in diesem ausgedehnten Tiefdruckgebiet. Es gibt keine großen Luftdruckunterschiede und damit fehlt auch die Strömungsgeschwindigkeit, sodass die Gewitter, die sich ausgebildet haben, nur sehr langsam ziehen und im schlimmsten Fall – und das sind dann auch die Auslöser für so starke Regenfälle – sich an Ort und Stelle bewegen oder sich gar nicht bewegen.“ (Volker Wünsche, Leiter der Niederlassung München des Deutschen Wetterdienstes)

Ob solch schwere Unwetter wirklich in der Zahl zugenommen haben, ließe sich nur sehr schwer nachweisen, so der Meteorologe. Es gebe bereits Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes über die letzten Jahre; diese würden jedoch noch keinen einheitlichen Trend anzeigen. Nichtsdestotrotz liege ein Zusammenhang der Stärke der Regenfälle mit dem Klimawandel nahe.
„Denn die globale Erwärmung, auch regionale Erwärmung, z.B. in Deutschland oder Mitteleuropa ist ja unverkennbar. Das heißt also in den letzten 100 Jahren ist die Temperatur um etwas mehr als 1 Grad angestiegen. Und diese Entwicklung lässt vermuten, dass mit steigender Temperatur auch immer mehr Wasserdampf in der Atmosphäre gebunden wird und sich dementsprechend auch stärkere Niederschläge entwickeln können.“ (Volker Wünsche, Leiter der Niederlassung München des Deutschen Wetterdienstes)

Laut dem Leiter der Integrierten Leitstelle Passau haben noch weitere Faktoren bei den starken Überschwemmungen mitgespielt.
„Es ist ein Teil die Verdichtung, dass einfach das Kanalsystem die Masse an Wasser nicht weg bringt. Das Wasser sucht seinen Weg und findet seinen Weg. Es gibt immer mehr geteerte Flächen, dann läuft auch die Strömungsgeschwindigkeit schneller. Und es sind natürlich auch die Bäche, die eine erhöhte Gefahr darstellen. Die wachsen in wenigen Stunden auf mehrere Meter an. Und der Sachschaden ist im Vergleich zu früher viel schneller vorhanden.“ (Sebastian Fehrenbach, Leiter Integrierte Leitstelle Passau)

Auch die Notrufe werden im Vergleich zu früher immer häufiger. Dieser Trend zeichnet sich in der Integrierten Leitstelle klar ab.
„Dadurch dass viele Menschen einfach Handys haben. Also es ist einfach bei Starkregenereignissen, bei Bundesstraßen die überflutet sind kommt nicht nur einer vorbei, sondern mehrere und die melden uns alle dieses Ereignis. Dadurch entstehen viel mehr Anrufe bei uns in der Leitstelle und frühzeitig die Alarmierungen der Feuerwehren.“ (Sebastian Fehrenbach, Leiter Integrierte Leitstelle Passau)

Im Zeitraum bis Juli dieses Jahres hat die Integrierte Leitstelle Passau bereits 2217 Einsätze verzeichnet. Das sind fast doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2015. Die Einsätze seien laut dem Leiter nicht kalkulierbar – ebenso wie die Wetterentwicklung in der Zukunft.



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